| ASCHENBRÖDEL...ODER...EINE WIRKLICH SEHR TRAURIGE
GESCHICHTE Einem reichen Manne wurde seine Frau krank, und als sie fühlte, daß ihr Ende herankam, rief sie ihr einziges Töchterlein zu sich ans Bett und sprach: Liebes Kind, bleib fromm und gut, so wird dir der liebe Gott immer beistehen, und ich will vom Himmel auf dich herabblicken. Darauf tat sie die Augen zu und verschied. Das Mädchen ging jeden Tag hinaus zum Grabe der Mutter und weinte und blieb fromm und gut. Als der Winter kam, deckte der Schnee ein weißes Tüchlein auf das Grab, und als die Sonne es im Frühjahr wieder herabgezogen hatte, nahm sich der Mann eine andere Frau. Da begann nun eine schlimme Zeit für das Mädchen. Die Stiefmutter brachte zwei Töchter mit ins Haus, die schön und weiß von Angesicht aber garstig und schwarz von Herzen waren. Aschenbrödel mußte alle Arbeit tun, bekam keine Kleider, und obendrein taten ihm die Schwestern alles erdenkliche Herzeleid an. So wuchsen die Mädchen heran. Bald begannen sich die bösen Schwestern nach einem Prinzen umzusehen. Dem Aschenbrödel war dies nicht ganz geheuer. Sie hielt nicht viel von Prinzen, es hat wohl schon so mancher als Prinz angefangen, dachte sie, auch war sie viel zu bescheiden. Die Schwestern hatten Glück, sie bekamen reiche Männer. Zwar riefen die Tauben, die immer alles besser wissen: Rucke di gu, rucke die gu, Blut ist im Schuh! doch die Mutter sagte: Ein reicher Mann muß euch wohl eine Zehe wert sein. Das Aschenbrödel hingegen behielt ihre Zehen und nahm den Bäckerburschen zum Manne. Doch so schön das auch aussah, war es leider auch nicht die Lösung. Denn nun hatte sie was sie vordem schon hatte, alle Arbeit, keine Kleider, und auch die Liebe ließ zusehends nach. Da sagte sich Aschenbrödel, ich will doch lieber mein eigenes Brot backen und verließ den Bäckerburschen. Die Sache begann gut. Fleißig und einsatzbereit wie Aschenbrödel nun einmal war, hatte sie bald Erfolg, sie brachte es schließlich zur Oberhofbäckerin. Nur das ewige Gerede von der Karrierefrau ging ihr immer mehr auf die Nerven, auch sehnte sie sich nach einem Kinde. Da ihr Vertrauen in eine Zweierbeziehung erschüttert, ihre Einkünfte hingegen absolut ausreichend waren, beschloß sie ihr Kind vaterlos aufzuziehen.. Das Kind war ihr nun eine echte Freude und sie strahlte auch immer demonstrativ. Doch als das Kind heranwuchs und zur Schule mußte, merkte es auf einmal, daß ihm etwas fehlte, was die anderen hatten. Es wollte plötzlich auch einen Papa haben. So war auch dieses Glück getrübt. Inzwischen war Aschenbrödel nicht jünger und schöner geworden, der liebe Gott hatte auch immer nur zugesehen und Aschenbrödel dachte sich - hier fehlt doch wohl noch etwas - bin ich denn nicht eine Märchenfigur? Sie ging zum Grab ihrer Mutter, pflanzte einen Haselstrauch und goß ihn mit ihren Tränen. Der Haselstrauch wuchs und wuchs und wuchs - das war aber auch alles. (Jana Wisniewski) |