| ADAM und EVA
Adam und Eva umarmten einander, ihre Hände streichelten ihre Körper und sie benannten den Zustand nicht. Er sagte du und sie sagte du, sie benannten einander nicht, als ob es sonst niemanden gäbe. Sie suchten die Unterschiede nicht, sie waren gemeinsam. So muß es im Paradies gewesen sein. Eines Tages erkannten sie die Unterschiede und begannen sie zu benennen. Du bist ein Mann, du bist eine Frau, du bist hart, du bist weich, du bist größer, du bist kleiner. Sie begannen einander zu betrachten, argwöhnisch, nichts war mehr selbstverständlich. Das ist gut, das ist böse, das ist schön, das ist häßlich, auf einmal gab es nur mehr Unterschiede. Ich gehe auf die Jagd, du bleibt zu Hause und richtest die Hütte sagte eines Tages Adam. Warum fragte Eva? Weil du eine Frau bist sagte Adam. Eva verstand nicht, war sie doch bisher immer gern mit auf die Jagd gegangen, aber sie blieb zu Hause. Als Adam gegangen war, fing Eva an zu weinen, sie weinte den ganzen Vormittag. So kamen die Tränen in die Welt. Als Adam nach Hause kam, sagte er: Ja was hast du denn den ganzen Vormittag gemacht! Eva staunte, aber sie antwortete: Das, was du mich geheißen hast zu tun. Aber Adam hörte schon garnicht mehr zu. Adam erfand den Krieg. Eva erfand eine Menge kleiner Dinge, welche das Leben angenehm machten. Adam tat die Erfindungen Evas als belanglos ab. Nun gab es auf einmal Dinge die wichtig waren und solche die nicht wichtig waren. Besitz war wichtig und die Verteidigung des Besitzes, die Eroberung von Besitz und weil Besitz eben so wichtig war, erklärte Adam eines Tages Eva: Du gehörst mir, mir ganz allein. Da endlich begriff Eva, einmal, daß es nie mehr so werden würde wie es am Anfang war und daß es nun Klassen gab, Besitzer, Besitzlose und Klassenkampf. Das haben die Menschen dann Kampf der Geschlechter genannt und als gegeben angenommen. Das ist auch heute noch so. Nur da und dort und irgendwo, da gibt es tatsächlich zwei, die fangen wieder ganz von vorne an. ( Jana Wisniewski ) |